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Es klingt nach vollendeter Wohnkultur.
Die Erfindung des Kachelofens wird auf das 14. Jahrhundert datiert. Zu jener Zeit wurde er besonders im Alpenraum und entlang der Donau genutzt. Vorbehalten war er allerdings zunächst dem Adel und den Patriziern.
Was den Ursprung der schwedischen Kachelöfen betrifft, so fällt er in das Jahr 1767. In dem Jahr bekamen der schwedische Architekt Carl Johan Cronstedt und General Fabian Wrede den königlichen Auftrag, ein neues wirtschaftliches Heizungssystem zu entwickeln. Das damalige Wachstum der Städte war so stark, dass ein Mangel an Brennholz entstanden war. Im Zuge ihrer Überlegungen kam es zur Konstruktion eines Kachelofens, der sich nicht nur sparsam heizen lässt, sondern auch durch sein einzigartiges Design beeindruckt.

Das Konstruktionsprinzip von Carl Johan Cronstedt
Das Konstruktionsprinzip von Carl Johan Cronstedt ist bis heute immer noch das gleiche. Es besteht in der Regel aus fünf senkrechten Kanälen aus Schamottstein. Der Rauch nimmt eingangs den Weg nach oben, dann wird er durch die Fallzüge nach unten geleitet und dann wieder nach oben zum Austritt aus dem Kachelofen in den Schornstein. Während der Beheizung nimmt der Kachelofen Wärme auf, speichert sie und gibt sie während acht Stunden an den Raum ab.


Der Kachelofen im Wandel der Zeiten
Der äußere Aufbau, die Form und die Glasur des Kachelofens sind der Mode gefolgt.
Die mittelalterlichen Pottkachelöfen und die Aufsatzkachelöfen mit Reliefkacheln aus der Renaissance und Barockzeit sind erst um 1700 im skandinavischen Raum durch glatte Kacheln ersetzt wurden. Entweder waren die Grundtöne grün oder weiß mit Figuren oder Blumen in blau/mangan oder polychrom verziert.

Aufsatzkachelofen mit blauen handgemalten Blumen, ca. 1780 in Schweden gefertigt.
Grüner Kolonnenofen auf Holzfüßen, ca. 1770 in Schweden hergestellt.

Im zentraleuropäischen Raum hingegen wurde der Kachelofen als ein freistehendes, reich verziertes Stück mit wechselnden Formen weiterentwickelt. Mit dem Spätempire und ganz besonders während des bürgerlichen Biedermeiers wurden auch Vorlagen für Modelle aus den Katalogen zentraleuopäischer
Manufakturen kopiert. Bis zum Jahre 1857, als der Architekt J. F. Abom neue zeitgemäße Modelle für die Manufaktur Rörstrand entwickelte und sich dabei keiner Vorbilder aus dem zentraleuropäischen Raum bediente. Weitere bekannte Architekten wie Ernst Jacobsen, Axel Kumlien und Helgo Zettervall zogen nach.

Grüne Majolika-Glasur um 1880
Der Einsatz von Architekten für den Entwurf von Kachelöfen als Einrichtungsgegenstand nahm beträchtlich zu. Dementsprechend wurde Rörstrand am Ende der 1870er Jahre zu einem der führenden Kachelofenhersteller im skandinavischen Raum. Entsprechend der Neuorientierung des Geschmacks auf der Grundlage der Neorenaissance sollte das bürgerliche Wohnzimmer warme, satte Farben haben. Die Majolikaglasur entsprach genau diesen Eigenschaften und wurde mit reich verzierten, gotischen oder klassischen Ornamenten kombiniert.

Handgemalte Jugendstil-Blumen auf glatter Oberfläche um 1900.
Bemalung vom Nachbau eines Rokokoofens um 1890.

Bis zum Ende der 1890er Jahre entsprach dies insbesondere dem Stil der großen Neubauten in Städten wie Göteburg, Stockholm, Oslo und Helsinki. Dies änderte sich sowohl durch den Jugendstil als auch durch die Kachelfabrikanten A.J. Westman und O.H. Akerling, denen es gelang, eine ganz weiße und blanke Glasur ohne Makel herzustellen. Der Jugendstil brachte nicht nur dem Stil entsprechende Floralornamente als Relief, sondern auch eine präzise Bemalung auf einer glatten Oberfläche mit sich.
Als Inspiration dienten aber auch die Vorbilder der schwedischen Rokokokachelöfen, die nun in vollendeter Perfektion hergestellt werden konnten.

Kachelofen um 1900 mit unterschiedliche Weißtönen.
Unvollkommenheit ist Trend
Um die Jahrhundertwende erfolgten Widerstände gegen das, was zuvor noch bewundert wurde – die Perfektion. Unvollkommenheit war nun der Trend. Rückbesinnung auf die technische Unvollkommenheit der unregelmäßigen Kacheln mit seinen changierenden creme, rosé oder grauen Weißtönen sowie der Launenhaftigkeit im Dekor. Dazu kam auch auch die Faszination der grünen Bleiglasur, die durch die Gerinnung auf den Kacheln verschiedene Nuancen mit sich brachte. Besonders die Manufakturen Upsala-Ekeby und S:t Eriks befassten sich mit dem neuen Trend und brachten so zwar dem Stil der Zeit entsprechende, aber in Struktur und Farbe ungleichmäßige Kachelöfen hervor.

Der Kachelofen wird zum Kunstwerk
Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kachelofen als Kunstgegenstand aufgefasst und begutachtet. Man schätzte die technische Qualität sowie das Aussehen und das Mitwirken von Architekten. Besonders der Name des Architekten wurde von immer größerem Interesse. Rörstrand fing schon 1877 an, den Urheber in seinen Handbüchern bekannt zu geben. Bei anderen Herstellern kam dies nur sporadisch vor.
 
Entwurf durch den Architekten Carl Westman erstellt 1901 für die Manufaktur Rörstrand.

Art Deco-Ofen, ca. 1920 gefertigt.
Ofen im Kamin-Design, ca. 1915 gefertigt.
Einzug der Zentralheizung
Die Kultur mit Kachelöfen zu leben, mit ihnen zu heizen, sie in Wohnbereiche einzubringen, gleichsam auch das Verständnis, den Kachelöfen als Kunstgegenstand zu sehen wurde durch den Vormarsch der Zentralheizung unterbrochen.
Der letzte größere Impuls für die Erneuerung von Kachelöfen fand mit dem Kachelofenwettbewerb von Upsala-Ekeby und der Wohnungsausstellung im Jahr 1917 statt.

Zurück zur Tradition
Erst 70 Jahre später findet der Kachelofen wieder Platz in unseren Wohnräumen. Durch die Rückbesinnung auf traditionelle Werte wurde auch dieser Aspekt des Wohlfühlens neu entdeckt. Was wäre schon das schönste Wintermärchen ohne ein knisterndes, flackerndes Ofenfeuer, das Körper Geist und Herzen wärmt. Ein Ofenfeuer lädt zum Verweilen ein, zum Träumen oder zum Geschichtenerzählen. Besonders, wenn der Kachelofen selbst ein Stück Geschichte ist. Und sein behagliches Prasseln schon seit Generationen die Menschen aus der Kühle des Alltags entführt ...

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